Traditioneller Royal Navy Toast für den heutigen
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  1. #1
    Admiral of the Fleet (11.341) Avatar von Bonden
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    Band 18 - Der gelbe Admiral

    Die ersten 75 Seiten sind gelesen, und schon lugen die ersten, heimlich der Bahnhochglanzbejubelbroschüre, die da immer im Zug liegt, reißerisch entnommenen Zettelchen zwischen den Seiten hervor.

    Das Buch beginnt erst einmal an Land. Da gibt es zum Beispiel eine längere Erklärung von Jack gegenüber Stephen hinsichtlich des Pacht- und Lehnswesens sowie dem Problem von Einzäunungen, die auf den ersten Blick ermüdend ist. Ich habe diese Passage aber nochmal ganz langsam gelesen und fand sie hochinteressant - würden das nicht einige Seiten des Buches sein, hätte ich es gern hier zitiert, aber so empfehle ich einfach jeder und jedem selbst, den Band aus dem Regal zu ziehen und nachzulesen.

    Erster Zettel: Ein kleiner Schmunzler betreff Stephen - und da nicht handlungsrelevant, ohne Spoilerkasten. Stephen berichtet über eine Reise an Land:
    "Ohne Karte läßt sich das in der Tat kaum erklären, denn nur selten steuerten wir länger als zwei Wachen denselben Kurs." Als Schiffsarzt brachte Doktor Maturin oft und gern nautische Ausdrücke an, hin und wieder sogar korrekte und im richtigen Zusammenhang, und weil er den letzten Satz für besonders gelungen hielt, wiederholte er ihn noch einmal mit entsprechender Betonung, ehe er fortfuhr...
    Dann wieder mal eine Szene mit "mir" dabei:
      Spoiler!  
    Beide drehten horchend den Kopf zum Fenster. Aus der Ferne erklang erneut Hufschlag, diesmal untermalt von seemännischem Gebrüll: "Klar bei Riemen, na los! Luv an! Und jetzt noch höher an den Wind! Recht so, recht so, und jetzt langsam aufkommen. Sinnig. Sinnig! hab' ich gesagt, du verfluchtes Mistvieh! Wir sind doch hier nicht beim Derby, verdammt noch mal!"
    Bei allen längeren Landaufenthalten, so auch beim gegenwärtigen anläßlich der Parlamentssitzungen zum Budget der Royal Navy, nahm Kapitän Aubrey selbstredend seinen Bootssteurer Bonden, seinen Steward Killick und noch ein oder zwei weitere Diener mit. Während Barrett Bonden ein zäher, kräftiger Bursche und erstklassiger Vollmatrose war, traten die Vorzüge von Preserved Killick weniger offensichtlich zutage - zwar war er ein ganz passabler Seemann, und keiner polierte das Silber so glänzend wie er, aber als persönlicher Diener des Kapitäns ließ er eine Menge zu wünschen übrig, um nicht zu sagen fast alles. Jack nahm die Männer mit, weil es für einen Vollkapitän üblich war, ein Minimum an Gefolge um sich zu haben, und er der Letzte gewesen wäre, der sich über die Bräuche der Marine hinweggesetzt hätte. Aber sie waren eben durch und durch Seeleute und daher an Land eigentlich kaum zu gebrauchen. Wie sie soeben einmal mehr bewiesen hatten, schafften sie es nicht einmal, sich von einer braven, alten Stute, an deren abgewetzten Zähnen sich schon längst kein Alter mehr ablesen ließ und die den Weg zum Dorf in und auswendig kannte, im Gig zur Post ziehen zu lassen, um die Briefe für Woolcombe abzuholen,ohne dabei nicht mindestens einmal im Graben zu landen oder das Pferd so kopfscheu zu machen, daß es nicht mehr ein noch aus wußte.


    Dann noch ein Absatz zum Verhältnis des rechtmäßigen Hausbutlers von Jack zu dessen Bootssteurer:
      Spoiler!  
    In einem ordentlich geführten Haushalt gehörte es zur Aufgabe, oder vielmehr zum Privileg des Butlers, die Familienpost in Empfang zu nehmen und die Briefe aus dem Ledersack, in den der Postmeister von Woolhampton sie gesteckt hatte, herauszunehmen und - nach ausgiebiger Betrachtung - schön geordnet auf einem Tablett den Herrschaften in den Salon zu bringen. Woolcombe war nach wie vor ein ordentlich geführter Haushalt, wenn auch die Ordnung infolge des verschwindend geringen Budgets, mit dem man inzwischen auskommen mußte, stark gefährdet war; vollends in Wanken geriet sie freilich immer dann, wenn der Bootssteurer des Kapitäns auftauchte. Denn Bonden hatte seinerseits eine durch nichts zu erschütternde Auffassung von seinen Vorrechten, und da Manson, der rechtmäßige Butler, wußte, daß der Bootssteurer mit seiner gebrochenden Nase bei der Boxmeisterschaft der Mittelmeerflotte sämtliche Herausforderer k.o. geschlagen oder sonstwie außer Gefecht gesetzt hatte, beließ er es bei verbalen Atacken, wenn Bonden stilgerecht mit glatt gestrichendem Haar und zugeknöpftem Jackett das Tablett hineintrug.


    So, das mal so zum "Anfüttern", später mehr!
    Non fare il pirito piú grande del culo.



  2. #2
    Admiral of the Fleet (11.341) Avatar von Bonden
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    Buch ausgelesen. Es sind noch einige Zettel abzuarbeiten, aber erst einmal eine generelle Einschätzung.

    Es ist wieder schön, "zu Hause" zu sein, wie bei jedem POB-Band. Aber ich würde dieses Buch nicht unbedingt in das Vorderfeld der Reihe packen wollen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass der gute O'Brian bemüht war, seine erst mühsam aufgebauten Konflikte schnell wieder abzubauen, seien es die Geschehnisse mit der geplanten Einhegung, die Auseinandersetzungen um die Prisen oder auch die Ehekrise - alles löst sich ziemlich schnell in Wohlgefallen auf. Da hätte man an der einen oder anderen Stelle sicher mehr daraus machen können.
    Dennoch:
    Der Erzählstil ist wieder Spitze, viel feinsinniger Humor, spannende Momente, lebendige Beschreibungen, egal ob Landschaft, Schiff oder Unwetter - und hier die übliche Zettelwirtschaft:

    Hier geht es um das Frühstück - Stephen musste einen Notfall behandeln und kommt zurück zu Jack, und der...:
      Spoiler!  
    ...saß in einer kleinen, verlockend nach Toast, Kaffee und Räucherhering duftenden Kabine vor dem Frühstückstisch.
    "Verzeih, Stephen," entschuldigte er sich reumütig, "ich fürchte, ich habe nicht auf dich gewartet. Die Gier überkam mich."
    "Ich fürchte, das sagst du fast jeden Morgen, Bruderherz", sagte Stephen. "Aber ich bete dafür, daß du vielleicht doch noch irgendwann von der Völlerei, dieser barbarischsten und abstoßendsten von den sieben Todsünden, geheilt wirst...."
    Dann aber, viel später im Buch, die genau umgekehrte Situation, Jack wird vom Frühstückstisch weggerufen:
      Spoiler!  
    Als Jack in die Kajüte zurückkehrte, warf er einen vorwurfsvollen Blick in die Kaffeekanne. Aber da Killick in der kurzen Zeit, die er sich vom Lauschen an der Tür zur Tageskabine des Masters losreißen konnte, seinerseits die Aktionen des Doktors - der keinerlei Skrupel kannte, wenn es um Kaffee oder bestimmte Süßigkeiten ging - verfolgt und sich entsprechend verhalten hatte, war die neue Kanne bereits unterwegs.

    Und immer wieder Killick:
      Spoiler!  
    Preserved Killick trat ein, mit einem unverkennbar triumphierenden Ausdruck in seinem griesgrämigen Gesicht, und sagte mit ruckartigem Kopfnicken zu Stephen: "Ich wollte Euer Ehren nur fragen, wohin mit dem kleinen grünen Päckchen hier? In die Bordapotheke? In den Müll?"
    "Jesus, M..." Stephen biß sich auf die Zunge und fuhr fort: "Das hatte ich wegen der Aufregung der Reise und dem starken Seegang ja völlig vergessen. Das sind zwölf Unzen von Jacksons bestem Mokka. Er verkauft ihn unzenweise, wie eine kostbare Substanz, was er in der Tat auch ist. Killick, du gute, ehrliche Haut, bitte mahl ihn so schnell, wie es die menschliche Kraft vermag, und brüh uns dann eine ordentlich große Kanne davon auf."
    Noch nie war jemand auf die Idee gekommen, Killick als ehrlich zu bezeichnen, und er war sich ganz und gar nicht sicher, was er davon halten sollte. Deshalb verdrückte er sich unauffällig, dabei argwöhnisch Blicke über die Schulter zurück in die Achterkajüte werfend

    Hier einer dieser trockenen Sprüche von Stephen:
      Spoiler!  
    "Guten Morgen, Sir", grüßte ihn Harding. "Wollen Sie ein wenig frische Luft schnappen?"
    "Wenn Sie welche entbehren können."


    Und zum Schluss noch einmal Killick. Stephen hat Verletzte verarztet und kommt blutverschmiert zu Jack zum Frühstück, aber Killick:
      Spoiler!  
    "Mit Verlaub, Sir, kommen Sie mit", sagte Killick.
    Mit einem Eimer voll heißem Wasser, Seife, Handtuch und Morgenmantel führte er Stephen entschlossen zu der als Badekammer dienenden Heckgalerie, wo er ihn mit den Worten verließ: "Wie Sie wissen, kann der Kapitän den Anblick von Blut nicht ertragen, und Sie kommen hier bluttriefend reinspaziert, bluttriefend. Ich möchte mal wissen, wie der arme Grimble und ich die häßlichen Fußabdrücke jemals wieder aus dem Teppich kriegen sollen. Jetzt ziehen Sie erst mal alles aus, Hemd, Hose, Unterwäsche, Strümpfe und alles und werfen das ganze Zeug in den Eimer hier. Den Kaffee werde ich Ihnen schon warm halten. Und Seiner Gnaden macht es nichts aus zu warten."
    Obwohl weder Kapitän Aubrey noch Doktor Maturin zu Duckmäusertum oder Langmut neigten, waren sie gegen Killicks unerschütterliche Überzeugung und seine moralische Überlegenheit so machtlos, daß der eine ohne zu murren auf seinen heiß ersehnten Kaffee wartete und der andere sich nicht nur gehorsam wusch, sondern auf Verlangen sogar seine Hände vorgezeigt hätte, und zwar von beiden Seiten.
    Non fare il pirito piú grande del culo.



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