Traditioneller Royal Navy Toast für den heutigen
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  1. #1
    Commodore 2nd class
    Avatar von Thomas Burton
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    Crichton, Michael - GOLD - Pirate Latitudes

    So, ich habe es nun durch und stelle das Buch mal vor.


    ISBN-10/ASIN: 3442476615


    Zum Inhalt:
    Wir schreiben das 1665. Charles Hunter, Freibeuter aus Massachusetts und Protagonist des Romans, erfährt von einem Kapitän eines Handelsschiffes, dass bei der Insel Leres im Hafen von Matanceros eine einzelne, von der Hauptflotte abgeschlagene, Schatzgaleone vor Anker liegt. Daraufhin heuert er auf seiner Schaluppe Cassandra eine Crew an und macht sich mit Rückendeckung des Gouverneuers auf den Weg in spanische Gewässer und das in Friedenszeiten. Nun denn. Kaum in spanischen Gewässern, wird sein Schiff auch gleich von einem spanischen Kriegsschiff aufgebracht, an Bord befindet sich ausgerechnet der Befehlshaber von Matanceros, Cazalla, ein brutaler Conquistador. Dieser lässt auch gleich zwei englische Matrosen Foltern, um das Ziel der Freibeuter zu erfahren, aber selbst die Wahrheit, nämlich Matanceros, will er nicht glauben, weil die Festung dort uneinnehmbar scheint. Den Piraten gelingt die Flucht und sie können doch tatsächlich die Festung unschädlich machen und die Galeone, es befinden sich wirklich Gold und Silber an Bord, erbeuten und fliehen. Geschafft haben sie das über Land, indem 5 (Hunter auch) eine mehrere hundert Fuß hohe Felswand erklimmen und von Land aus angreifen. Cazalla wird auch getötet, da Hunter auch mit ihm eine Rechnung offen hatte.
    Schließlich werden sie verfolgt, aber sie können ihre Verfolger vernichten und gelangen nach einem Hurrikan und einem Krakenangriff sicher in Port Royal, wo Hunter der Prozess gemacht wird, weil der Sekretär als Stellvertreter des Gouverneurs, der schwerkrank ist, Hunter und generell Piraten wie Freibeuter nicht leiden kann. Außerdem wurde er von einem Franzosen aus seiner Crew verraten. Hunter wird schuldig gesprochen, hat aber alle Sympathien auf seiner Seite. Ihm wird zur Flucht verholfen und er nimmt Rache an allen, die für seinen Prozess verantwortlich waren. Er sucht dann noch jahrelang den Rest der Beute, den der Franzos versteckt haben soll, sirbt aber an Malaria erkrankt und unbeachtet in England. Tod.



    Fazit:
      Spoiler!  
    Das Buch wurde in einfacher Sprache geschrieben und ist flüssig zu lesen. In den ersten Kapiteln plätschert die Handlung nur vor sich hin, es beginnt schließlich mit dem Tagesablauf des Gouverneurs. Crichton hat die ländlichen Gepflogenheiten im 17. Jh. wohl gut recherchiert, denn seine Beschreibung ist gut nachvollziehbar. Hier stoße ich bereits auf mekwürdiges: Die Paste, mit der sich der Herr die Zähne putzt, besteht z.T. aus zerriebenem Kaninchenkopf. Ist das wirklich so gemeint, wie es da steht?
    Hunter selbst, dem wirklich alles gelingt, tritt erst im 6. von 38 Kapiteln eingeführt auf. Allmählich nimmt die Handlung dann an Fahrt auf, als Hunter mit seinen Schergen im zweiten Teil sich auf den Weg zur Kaperung der Galeone macht. Naja. Dann werden sie von einem größeren spanischen Kriegsschiff, mit dem brutalen Spanier (8tung Klischee) an Bord, aufgebracht. Hier werden die Stückpforten als "Geschützscharten" bezeichnet, wohl ein Übersetzungsfehler. Aber die Flucht gelingt spektakulär. Als Hunter später bei Nacht und von Land aus die Kanonen der Festung unschädlich machen will, gelingt das Laden der Geschütze lautlos! Die Galeone wird mit ihren 50 Kanonen, aber nur 32 an Bord, wegen des Laderaums, mit ihrer Größe als Linienschiff 3. Ranges bezeichnet. Ich weiß, dass sich die Rangeinteilung zu der Zeit erst entwickelte, aber ist das korrekt?
    Schließlich steht auf Seite 194: "Gerade mal 8 Knoten, wir müssten doppelt so schnell sein." Das erschient mir für so ein Schiff allerdings etwas unrealistisch. Crichton spart dann auch nicht mit schaurigem Seemannsgarn: Nach dem überstandenem Hurrikan werden sie von einem Kraken in bester Fluch-der-Karibik-Manier angegriffen und können das Ungetüm abwehren. Quasi spannend wird es dann wieder in Port Royal, als Hunter seine Ankläger und Verräter nach der Flucht umbringt, auch den bösen Franzmann, der eine Schatzkarte in eine Goldmünze eingeritzt haben will, aber es war nur eine Farce.


    Letzendlich habe ich mich für von entschieden, und denke, es ist nicht überbewertet.
    Geändert von Sir Amoi (01.12.2011 um 11:44 Uhr) Grund: Jetzt auch mit Link
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  2. #2
    Vitalienbruder
    Avatar von Saarpirat
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    Schade, dass der alte Thread nicht mehr existiert. Aber deine Rezension ist fast besser, als das ganze Bucht, Tom.

    Für mich war das Buch ein guter Entwurf für ein Drehbuch. Aber von Crichton war ich immer Besseres gewohnt.

  3. #3
    Commodore 2nd class
    Avatar von Thomas Burton
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    Danke für das Einfügen des Links, Chef. Den hatte ich vergessen.
    Danke, Saari, für deine positive Antwort. Crichton hat in manchen Dingen immerhin Fantasie, das muss man ihm lassen. Allerdings hatte ich etwas mehr Historisches erwartet.

    So manches ist auch vorhersehbar. Spätestens nach der Trennung der Cassandra und der Galeone vermutete ich, dass der Franzose Hunter verraten würde.
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  4. #4
    Boatswain
    Avatar von Saratoga
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    Ich hatte das Buch damals nur knapp bis zur Hälfte geschafft...,
    wäre sonst an Langeweile und Vorhersehbarkeit gestorben.

  5. #5
    Commodore 2nd class
    Avatar von Thomas Burton
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    Nachtrag:
    (setze ich am Besten in den Spoiler)

      Spoiler!  
    Was mir besonders aufstieß, war das Verholen der Steuerbordgeschütze der Galeone auf die Backbordseite. Das Schiff muss danach gewaltig schräglage gehabt haben. Es wurde zwar die Landung nach Steuerbord gebracht, aber viel Ausgleich dürfte es nicht gebracht haben. Vor allem wurden diese Schritte mangels Männer nacheinander angestellt, da wäre die Galeone doch schon längst auf die Seite gekippt? Also darüber hätte der Autor ein wenig mehr nachdenken können. Mit dieser Schlagseite haben die 30 Piraten dann auch noch das feindliche Linienschiff in die Luft fliegen lassen.
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  6. #6
    Vitalienbruder
    Avatar von Saarpirat
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    Zitat Zitat von Saratoga Beitrag anzeigen
    Ich hatte das Buch damals nur knapp bis zur Hälfte geschafft...,
    wäre sonst an Langeweile und Vorhersehbarkeit gestorben.
    Ich hatte es schon ganz geschafft. Bei der Dicke, bzw. Dünne war es nicht wirklich schwierig. Da hätte ein Meister wie Crichton wirklich mehr draus machen können. Aber gut möglich, dass es sich auch schon um eine Nachlassverwertung gehandelt hat. Es ist ja erst nach seinem Tod erschienen und wer weiß, was er ursprünglich noch damit im Kopf hatte.

  7. #7
    Admiral of the Fleet (11.341) Avatar von Bonden
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    Was bitte ist denn das? Da hat der Mann alle guten Zutaten für einen spannenden Abenteuerroman zusammen, und dann serviert er uns sowas. Ich kann nicht glauben, dass das wirklich Michael Crichton geschrieben haben soll. Mit welcher Spannung und Faszination habe ich Bücher wie Jurassic Park oder ganz besonders Welt in Angst verschlungen! Und dann das hier. Soviel ungenutzte Chancen, so unspannend erzählt, so vorhersehbar - und über weite Strecken so verwíntert in Hunters Superman-Art.
      Spoiler!  
    Als er seine Mannschaft aussucht, dachte ich gleich an das Märchen "Sechse kommen durch die ganze Welt": Der eine bärenstark, der andere waffentechnisch fit, der Dritte ein Waffen- und Sprengstoffexperte, dann die extrem scharfsichtige Tante und und und... Einzig positiv die Tatsache, dass uns wenigstens eine verkitschte Liebesgeschichte erspart geblieben ist - denn bei der sonstigen Qualität wäre das sicher auch gründlich in die Hose gegangen.
    Phasenweise hatte ich auch ans vorzeitige Aufhören gedacht, aber glücklicherweise liest sich das ganze recht schnell weg.
    Zwei Details, die für mich unter die Kategorie "ungenutzte Chancen" fallen:
      Spoiler!  
    Zu Beginn von Hunters Auftritt haut er in einer Kneipe einen Franzosen (Name: Levasseur!) k.o., der Geld von ihm will. Ich dachte die ganze Zeit, dass dieser Typ nochmal auftauchen wird - aber nix.
    Dann Cazalla: Er schmeißt ihm irgendwie seinen Degen in den Hals und wartet nicht ab, bis er stirbt. Da dachte ich so bei mir, dass der natürlich noch lebt, ist ja der Erzschurke schlechthin, der kommt nochmal, da war ich mir sicher, und das hätte das alles nochmal spannungstechnisch aufpeppen können - aber nichts dergleichen. Vielleicht sollte das ja eine Überraschung sein - aber ich fand es nur ...leer irgendwie.
    Fazit: Lohnt nicht.
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  8. #8
    Pacific Voyager Avatar von Cpt Mike
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    Dr Sirs,
    nun will ich mal ein bisschen Oel ins Feuer giessen.
    Ich fand alle Crichton Buecher etwas sprunghaft und inkoherent. Er hatte tolle Ideen und hat brilliante Passagen, dazwischen aber immer wieder Partien des Faden-verlierens oder nicht-wieder-aufnehmens...
    Mir erscheint es, als waeren einzelne Abschnitte oder Kapitel von unterschiedlichen Autoren geschrieben. Fuer mich auffaellig im Original. Vielelicht Zusammenarbeit mit mehreren Ghostschreibern?

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    "Suum quaeque in annum referre! Tacitus

  9. #9
    Segelmeister
    Avatar von paul.quincy
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    Zitat Zitat von Cpt Mike Beitrag anzeigen
    Dr Sirs,
    nun will ich mal ein bisschen Oel ins Feuer giessen.
    Mir erscheint es, als waeren einzelne Abschnitte oder Kapitel von unterschiedlichen Autoren geschrieben. Fuer mich auffaellig im Original. Vielelicht Zusammenarbeit mit mehreren Ghostschreibern?

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    Cpt Mike
    Unterstellt man so etwas nicht auch einem gewissen Swan of Avon? Fragen über Fragen! Mir dreht sich schon der Kopf... Dieser Shakespeare soll ja überhaupt nicht... sondern ein Earl, der inkognito bleiben mußte. Vielleicht hat hier ja Crichton auch nicht, sondern Prince Charles...? Weiß man's?
    The past is not dead. In fact, it's not even past

  10. #10
    Admiral of the Fleet (11.341) Avatar von Bonden
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    Also mir persönlich ist es völlig Rille, wer da wirklich geschrieben hat - aber ich habe eben bisher beim Lesen der Werke, die unter dem Namen Crichton firmierten, wesentlich bessere literarische Kost genießen dürfen - daher auch meine große Enttäuschung über dieses Buch hier.
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  11. #11
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    Ich besitze es nur als kostenlose Hörbuchausgabe, gehört habe ich es aber trotzdem noch nicht
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  12. #12
    Segelmeister
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    O.K.! Ok,ok,ok, mein lieber Bonden - war ja nur ein kleines Satierchen von mir - ich liebe diese possierlichen Dinger.
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  13. #13
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    Schade, Schade, von Crichton habe ich mich immer gut unterhalten lassen. Ich erinnere nur an "Der große Eisenbahnraub", der ja auch von ihm stammt. Sehr schön auch seine pseudowissenschaftlichen Erklärungen zur Möglichkeit von Zeitreisen und Parallelwelten in "Timeline". Man glaubt fast daran.

  14. #14
    Pacific Voyager Avatar von Cpt Mike
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    Zitat Zitat von Mr. Steven Beitrag anzeigen
    Schade, Schade, von Crichton habe ich mich immer gut unterhalten lassen. Ich erinnere nur an "Der große Eisenbahnraub", der ja auch von ihm stammt. Sehr schön auch seine pseudowissenschaftlichen Erklärungen zur Möglichkeit von Zeitreisen und Parallelwelten in "Timeline". Man glaubt fast daran.
    @ Bonden @ Mr Steven

    Sirs,
    es kann natuerlich auch daran liegen, dass 'Jurassic' u.a.m. nun auch schon 20 oder mehr Jahre zurueckliegt und Ihr inzwischen etwas anspruchsvoller geworden seid.

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    Cpt Mike
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  15. #15
    Segelmeister
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    So würde ich das auch sehen, Mike, wenn man seinen Geschmack ständig an den herausragenden Werken eines gewissen Q schärfen muß, dann kann das nicht ohne Folgen bleiben. Wie ich schon des öfteren bemerkte, ist Bescheidenheit eine meiner am stärksten ausgeprägten Eigenschaften... Sie wird nur noch von meiner Wahrheitsliebe übertroffen.
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  16. #16
    Pacific Voyager Avatar von Cpt Mike
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    Zitat Zitat von paul.quincy Beitrag anzeigen
    Sie wird nur noch von meiner Wahrheitsliebe übertroffen.
    Das sollte Dich ja nicht vom Fabulieren abhalten, lieber SMOB.

    73
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